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Arbeiten im Winterlager: So bleibt Ihr Schiff geschützt – und fit für die nächste Saison
Arbeiten im Winterlager:
So bleibt Ihr Schiff geschützt – und fit für die nächste Saison
Während viele Boote im Winter unter Planen, in Hallen oder auf dem Freigelände ruhen, ist die kalte Jahreszeit keineswegs eine Pause für Eigner. Im Gegenteil: Das Winterlager bietet ideale Bedingungen, um Wartung, Kontrollen und kleine Reparaturen durchzuführen, die während der Saison schwerer umzusetzen sind. Frost, Feuchtigkeit und lange Standzeiten können Materialien stark belasten – umso wichtiger sind vorausschauende Pflege und regelmäßige Kontrollen.
Wir haben uns bei unserem Partner Pantaenius Yachtversicherungen erkundigt, welche Arbeiten im Winterlager besonders sinnvoll und notwendig sind.
Illustration: Pantaenius Yachtversicherungen
Außenhaut und Unterwasserschiff
Bereits im Winter lohnt sich der Blick auf die Außenhaut. Nach der Reinigung werden Verunreinigungen, Haarrisse oder Beschädigungen sichtbar und können im Trockenen problemlos ausgebessert werden. Auch Polieren oder Konservieren des Rumpfes lässt sich im Winter stressfrei erledigen.
Besonders wichtig ist das Unterwasserschiff: Algenreste, Muscheln oder beschädigte Beschichtungen sollten jetzt entfernt oder erneuert werden. Erste Anzeichen von Osmose sind im Winterlager gut erkennbar, und ein Antifoulingauftrag kann in Ruhe geplant oder vorbereitet werden.
Kiel, Ruder und Wellenanlage
Der Winter ist die beste Zeit, um den Kiel gründlich zu inspizieren. Die Kiel-Rumpf-Verbindung, Kielbolzen und Kielsohle lassen sich im Trockenen optimal prüfen. Farbabplatzungen oder Korrosionsstellen sollten jetzt behandelt werden, solange alles gut zugänglich ist.
Auch die Ruderanlage profitiert von einer gründlichen Winterkontrolle: Lager, Dichtungen, Mechanik, Seilzüge und der Quadrant können entspannt inspiziert und bei Bedarf gewartet oder neu justiert werden.
Beim Stevenrohr und der Welle ist weniger der Betrieb, sondern das lange Stillstehen kritisch. Lager können festgehen, Dichtungen spröde werden – eine Sicht- und Funktionskontrolle im Winterlager verhindert böse Überraschungen im Frühjahr.
Propeller, Saildrive und Bugstrahlruder
Da die Komponenten im Winter nicht unter Last stehen, lassen sich Propeller und Wellenverbindung besonders gut prüfen: Beschädigungen, ein festsitzender Klappmechanismus oder lockere Schrauben sollten jetzt behoben werden. Auch kleine Korrosionsstellen können problemlos ausgebessert werden.
Beim Saildrive stehen Ölstand, Manschette und Schaft auf der Checkliste. Im Winterlager lässt sich zudem gut erkennen, ob Wasser eingedrungen ist oder sich Feuchtigkeit gesammelt hat. Beim Bugstrahlruder können Rundlauf, Geräusche und Propellerzustand ohne Wasserbelastung untersucht werden.
Opferanoden ersetzen
Der Winter ist ideal, um Opferanoden zu tauschen. Sind sie zu stark abgenutzt, sollten sie vor dem Frühjahr erneuert werden – unabhängig davon, ob das Boot in Süß- oder Salzwasser genutzt wird. Anoden an Propeller, Rumpf, Welle, Saildrive oder Ruderblatt sind schnell erreichbar und oft mit wenigen Handgriffen getauscht.
Deck und Beschläge
Im Winterlager ist das Deck trocken, gut begehbar und frei von Zubehör – perfekte Bedingungen für eine gründliche Inspektion. Klampen, Lüfter, Luken und Fenster können auf festen Sitz und Dichtigkeit geprüft werden. Auch Winschen, Traveller, Umlenkrollen und die Reling stehen jetzt auf dem Programm.
Teakdecks sollten auf Fugenrisse oder lose Lamellen kontrolliert werden. Ankersystem, Kettenkasten und Verbindungen zu Winde und Leine können ebenfalls jetzt optimal inspiziert und gepflegt werden.
Püttinge
Die Verbindung zwischen Rigg und Rumpf ist sicherheitsrelevant – und gerade im Winterlager gut zugänglich. Verschraubungen, Rumpfanschlüsse, Dichtigkeit und mögliche Haarrisse lassen sich im Trockenen besser erkennen als im Wasser. Kleinere Reparaturen oder Abdichtungen können zeitnah erledigt werden.
Rigg und Segel
Viele Eigner lassen Mast und Rigg über den Winter stellen – dennoch sollte das stehende und laufende Gut überprüft werden. Salinge, Mastfuß, Rollanlagen und Blöcke können in Ruhe inspiziert, Beschläge geschmiert und Abnutzungen dokumentiert werden.
Segel, Persenninge und die Kuchenbude sollten im Winterlager trocken gelagert und auf Risse oder UV-Schäden untersucht werden. Der Winter ist auch die perfekte Zeit für Segelreparaturen oder eine professionelle Reinigung.
Motor & Technik
Ohne Betriebsdruck bietet der Motorraum beste Bedingungen für eine gründliche Inspektion. Ölwechsel, Filtertausch, Kontrolle von Impeller, Keilriemen und Kühlsystem sollten im Winter erledigt werden.
Wasserabscheider, Abgasanlage, Kupplung, Schwingelemente und Verschraubungen können ebenfalls in Ruhe geprüft werden.
Elektrische Komponenten wie Lichtmaschine, Regler oder die Schallisolierung lassen sich im Winterlager gut erreichen und warten.
Elektrik & Elektronik
Feuchtigkeit ist der größte Feind der Bordelektrik. Winterlagerkontrollen verhindern Schäden durch Korrosion oder Kriechströme. Batterien sollten geladen und gepflegt, Kabelverbindungen überprüft und Steckkontakte gereinigt werden.
Navigationsgeräte, Positionslichter, Sensoren (Speedo, Wind, Echolot) und das Bordladegerät können getestet oder überholt werden, bevor es wieder aufs Wasser geht. Auch die Bordheizung sollte einmal durchgecheckt werden.
Gasanlage
Im Winterlager lässt sich die gesamte Gasanlage gefahrlos und gründlich prüfen. Dichtigkeit, Entlüftung, Verschraubungen, Druckminderer und Gaswarnmelder müssen funktionieren. Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt, Prüfzeichen zu kontrollieren oder erneuern zu lassen.
Seeventile, Wasser- & Sanitärsystem
Seeventile dürfen im Winter nicht festgammeln – regelmäßiges Bewegen erhält ihre Leichtgängigkeit. Schlauchanschlüsse sollten inspiziert und bei Bedarf ersetzt werden.
Wasserleitungen, Tanks, Pumpen und Sanitärsysteme können entleert, gereinigt und überholt werden, ohne dass sie im Betrieb stehen.
Illustration: Pantaenius Yachtversicherungen
Sicherheitsausrüstung
Auch Sicherheitsmaterial kann im Winterlager in Ruhe gewartet werden. Feuerlöscher, Rettungswesten, Funkgeräte und Seenotmittel sollten auf Ablaufdaten, Funktionsfähigkeit und Vollständigkeit geprüft werden. Rettungsinseln müssen trockengelegt, inspiziert oder zur Wartung gegeben werden.
Arbeiten im Winterlager sind die Grundlage für eine sichere, sorgenfreie Saison. Wer frühzeitig kontrolliert, pflegt und instand setzt, spart im Frühjahr Zeit und vermeidet teure Überraschungen. Der Winter ist nicht nur Ruhezeit fürs Boot – sondern die ideale Phase, um es optimal für das kommende Frühjahr vorzubereiten.
Checkliste:
AUSSENHAUT
- Verunreinigungen/Schäden
- Haarrisse und andere Schäden
- Polieren/Konservieren
- UNTERWASSERSCHIFF
- Pocken- und Algenbewuchs
- Beschädigungen
- Osmose
- Antifoulinghaftung/-anstrich
KIEL
- Kiel-Rumpf-Verbindung außen
- Kielbolzen innen
- Kielsohle
- Farbhaftung/Korrosion
RUDERANLAGE
- Wasserdichtigkeit
- Ruderwellen- und -skeglager
- Farbbeschichtung
- Beschädigungen/Unterkante
- Mechanik/Leichtgängigkeit
- Seilzüge/Spiel
- Quadrant
- Verschraubungen
STEVENROHR/WELLE
- Lagerspiel
- Wassereintritt/-dichtigkeit
- Stütz- und Wellenlager
PROPELLER
- Beschädigungen
- Verbindung zur Welle
- Oberfläche/Beschichtung
- Verzahnungen
- Klappmechanismus
- Verschraubungen
SAILDRIVE
- Ölkontrolle
- Saildrive-Schaft
- Gummimanschette
- Wassereintritt/Sieb
BUGSTRAHLRUDER
- Rundlauf
- Laufgeräusche
- Propellerzustand
- Ausfahrmechanik
OPFERANODEN (für Salz- oder Süßwasser bestimmt)
- Am Propeller
- Am Rumpf
- An der Welle
- Am Saildrive
- Am Ruderblatt
DECK/BESCHLÄGE
- Klampen und Klüsen
- Lüfter
- Luken und Fenster
- Einfüllventile (Wasser/Diesel)
- Decksbeläge/Teakdeck
- Backskisten/-deckel
- Lenzrohre
- Winschen/Klemmen
- Traveller
- Umlenkrollen
- Handläufe
- Fußreling/Verschraubungen
- Reling (Stützen/Spanner/Draht)
- Anker (Kette/Leine/Winde/ Verbindung)
PÜTTINGE
- Verschraubungen
- Rumpfverbindungen
- Wasserdichtigkeit
- Haarrisse
RIGG
- Segel
- Rollanlagen
- Mast/Mastfuß/Masttopp
- Salinge
- Laufendes/stehendes Gut
- Spi-/Gennakerbaum
- Persenninge/Kuchenbude
Bitte prüfen
MOTOR
- Motor- und Getriebeöl
- Filter
- Impeller
- Keilriemen
- Wasserabscheider
- Treibstoffsystem
- Kühlsystem/Zweikreis/Seekreis
- Abgasanlage
- Verschraubungen
- Flansch/Kupplung
- Schwingelemente
- Motorraumbelüftung
- Schallisolierung
- Lichtmaschine/Regler
ELEKTRIK/ELEKTRONIK
- Batterie
- Sicherungen
- Verkabelung
- Steckverbindungen
- Fehlerschutzschalter
- Innenbeleuchtung
- Decks-/Positionslichter
- Funk-/Navigationsgeräte
- Speedogeber
- Echolot
- Windmessanlage
- Kühlfach
- Bordheizung
- Ladegerät
GASANLAGE
- Herd/Backofen
- Dichtigkeit
- Verschraubungen
- Entlüftung Gasflaschenbox
- E-Fernschalter
- Druckminderer
- Hauptschalter
- Gaswarnmelder
- Prüfzeichen
SEEVENTILE
- Fester Sitz
- Auszinkung
- Leichtgängigkeit
- Wasserdichtigkeit
- Schlauchanschlüsse
WASSER/SANITÄR
- Schläuche und Schellen
- Lenzpumpe
- Fäkalientank
- Wassertank
- Wasserleitungssystem
SICHERHEITSAUSRÜSTUNG
- Feuerlöscher
- Seenotmunition
- Rettungswesten
- Rettungsinseln
Der Versicherungsexperte hat noch einen Tipp: Einbruch- und Diebstahlschutz leicht gemacht
Illustration: Pantaenius Yachtversicherungen
So sichern Sie Ihr Schiff effektiv – schon im Winterlager
Segel- und Motoryachten sind beliebte Ziele für Diebe – besonders im Winterlager. Während der kalten Monate herrscht oft weniger Betrieb, viele Boote stehen unbeaufsichtigt, und hochwertige Ausrüstung ist leicht zugänglich. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig für die passende Sicherheit zu sorgen. Mit wenigen, gut durchdachten Maßnahmen lässt sich das Risiko von Diebstahl und Vandalismus im Winterlager deutlich reduzieren. Ein sicheres Gelände, ein ausgeräumtes Schiff und konsequentes Abschließen sind die wichtigsten Grundlagen. Zusammen mit gut verstecktem Werkzeug und sicher gelagerten Wertgegenständen wird das eigene Boot für Langfinger schnell unattraktiv – und Sie gehen beruhigt in die Winterpause.
Das richtige Winterlager wählen
Die erste Sicherheitsmaßnahme beginnt schon lange bevor das Boot an Land steht: mit der Wahl des Winterlagers. Ein eingezäuntes Gelände mit kontrolliertem Zugang, Außenbeleuchtung und bestenfalls Bewegungsmeldern schreckt potenzielle Täter ab. Offene oder unbeobachtete Abstellplätze wirken dagegen wie eine Einladung – besonders wenn hochwertige Yachten oder Motorboote dort dicht an dicht stehen.
Wertgegenstände an Bord? Besser nicht
Viele Boote sind im Winterlager wahre Schatzkammern: Kartenplotter, Radarbildschirme, GPS-Geräte, Ferngläser oder Rettungswesten haben einen hohen Wiederverkaufswert. Wer sein Schiff im Herbst ausräumt, macht Langfingern das Leben deutlich schwerer. Alle nautischen Geräte und wertvollen Ausrüstungsgegenstände sollten an einem sicheren Ort gelagert werden – idealerweise zuhause in Keller, Schrank oder Werkstatt.
Auch Propeller, insbesondere Modelle aus Edelstahl, stehen bei Dieben hoch im Kurs. Sie lassen sich leicht demontieren und erzielen auf dem Schwarzmarkt hohe Preise. Ein abgenommener Propeller, der im Winter sicher verwahrt wird, ist daher eine der effektivsten Schutzmaßnahmen.
Abschließen – auch an Land
Was vielen nicht bewusst ist: Ein Boot im Winterlager ist nicht automatisch sicherer als im Hafen. Luken, Niedergang, Backskisten und Stauräume sollten daher stets abgeschlossen sein – selbst, wenn das Schiff aufgebockt steht oder im Hallenlager abgestellt wird. Sichtbare Schlösser oder Riegel wirken dabei zusätzlich abschreckend.
Werkzeug und Leitern wegräumen
Eine der häufigsten Ursachen für Einbrüche im Winterlager ist schlicht: Gelegenheit. Offenes Werkzeug, herumliegende Leitern oder Hilfsmittel zum Aufbocken können von Unbefugten zweckentfremdet werden. Alles, womit sich Türen aufhebeln oder Boote erklimmen lassen, sollte daher stets weggeschlossen oder aus dem Sichtfeld entfernt werden.