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NORDSEEWOCHE 2026: Hochseesegeln zwischen Tradition und Herausforderung
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Mit der 91. NORDSEEWOCHE steht vom 22. bis 25. Mai 2026 erneut eines der bedeutendsten Segelereignisse Deutschlands auf dem Programm. Rund 1.500 Seglerinnen und Segler werden zu Pfingsten auf Helgoland erwartet, um sich in einem der anspruchsvollsten Reviere Europas sportlich zu messen. Die Regattaserie gilt als einzige deutsche Hochseeveranstaltung dieser Größenordnung und verbindet sportlichen Wettbewerb mit maritimer Gemeinschaft.
Breites Spektrum: Vom Einstieg bis zur Offshore-Königsklasse
Das Programm der NORDSEEWOCHE deckt ein breites Leistungsspektrum ab. Neben den hochkarätigen ORC-Regatten bietet insbesondere der Family-Cruiser-Cup eine attraktive Möglichkeit für Fahrtensegler, Regattaluft zu schnuppern. Gesegelt wird ohne Messbrief und ohne Spinnaker, gewertet nach einem vereinfachten Handicap-System. Damit richtet sich das Format gezielt an Crews, für die das gemeinsame Erlebnis und nicht der maximale Leistungsdruck im Vordergrund steht.
Dem gegenüber steht mit dem Pantaenius Rund Skagen Rennen eine der anspruchsvollsten Offshore-Regatten Europas. Über rund 510 Seemeilen führt der Kurs von Helgoland über die Nordspitze Dänemarks bis in die Kieler Förde. Wechselhafte Wetterbedingungen, komplexe Strömungsverhältnisse und die Länge der Strecke machen diese Wettfahrt zur ultimativen Herausforderung – nicht zuletzt mit Blick auf den bestehenden Streckenrekord.
Zubringerregatten als sportlicher Auftakt
Den Einstieg in die NORDSEEWOCHE bilden traditionell die Zubringerregatten. Von Cuxhaven, Bremerhaven, Hooksiel und Hallig Hooge nehmen die Crews Kurs auf Helgoland. Ergänzt wird das Programm durch die traditionsreiche Wettfahrt von Hamburg nach Cuxhaven. Diese Etappen verlangen präzise Navigation in anspruchsvollen Tidengewässern und besondere Aufmerksamkeit im dichten Schiffsverkehr der Deutschen Bucht.
Auch der Rückweg ist sportlich organisiert: Nach Abschluss der Regatten geht es im Rahmen der Rückregatten wieder zurück aufs Festland.
Früher Start für ambitionierte Crews
Ein besonderes Format innerhalb der Serie ist die „Early Bird Series“. Bereits am Freitagabend starten die teilnehmenden Crews von Cuxhaven in eine Nachtregatta nach Helgoland. Diese Kombination aus Langstrecke und anschließenden Kurzwettfahrten verlangt höchste Konzentration und taktisches Geschick. Ergänzt wird die Serie durch die Wettfahrten um den Hummercup, die – abhängig von den Wetterbedingungen – als Upwind-/Downwind-Kurse ausgetragen werden.
Klassiker rund um Helgoland
Zu den festen Größen der NORDSEEWOCHE zählen traditionsreiche Wettfahrten wie der Capitell-Cup Rund Helgoland. Der Kurs führt einmal um die Insel und die Düne und bietet sowohl Seglern als auch Zuschauern spektakuläre Perspektiven. Bereits seit 1925 wird diese Regatta ausgetragen und zählt damit zu den historischen Wurzeln der Veranstaltung.
Ebenfalls etabliert ist der sebamed-Cup „Helgoländer Acht“, bei dem zwei entgegengesetzte Kurse zwischen Insel und Düne gesegelt werden. Enge Fahrwasser, wechselnde Tidenströme und anspruchsvolle Bedingungen machen diese Wettfahrt zu einer taktischen Herausforderung.
Pantaenius Rund Skagen Rennen: Offshore-Herausforderung
Seit 1953 ist das Pantaenius Rund Skagen Rennen fester Bestandteil der NORDSEEWOCHE. Die Strecke führt von Helgoland durch die Nordsee zur Nordspitze Dänemarks, rund um Skagen und weiter durch das Kattegat sowie den Großen Belt bis ins Ziel vor Schilksee in der Kieler Förde.
Neben der physischen und mentalen Belastung einer Langstrecke stellt insbesondere das wechselhafte Wetter der Nordsee eine Herausforderung dar. Im Bereich des Gelben Riffs können raue Bedingungen auftreten, während im Kattegat häufig Kreuzkurse gesegelt werden müssen, die für dynamische Positionswechsel sorgen.
Die schnellsten Yachten absolvieren die über 510 Seemeilen lange Strecke in etwa zwei Tagen, während ein Großteil der Flotte drei bis vier Tage unterwegs ist.
Für die an Land gebliebenen werden On-Board-Reporterinnen und -Reporter (OBR) von der legendären Regatta berichten. Jeden Tag gibt es ein Update auf den Social-Media-Kanälen von Pantaenius. Wer im Anschluss die meisten Stimmen für seinen Content sammelt, dem winkt eine Illustration einer Szene aus dem gelieferten Material von Pantaenius-Ilustrator Hinnerk Bodendieck.
Einen Rückblick auf die Pantaenius Rund Skagen Wettfahrt gibt es hier.
IDM Seesegeln Offshore
2026 ist die NORDSEEWOCHE außerdem Austragungsort der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) in der Klasse Seesegeln Offshore, ausgerichtet vom renommierten Segel-Verein Altona-Oevelgönne e.V., im Auftrag des Deutschen Segler-Verbands (DSV). Die Wertung erfolgt über mehrere Wettfahrten, nämlich den Sundowner der Early Bird Series, der Capitell-Cup Rund Helgoland und das Pantaenius Rund Skagen Rennen – ein Format, das sportliche Vielseitigkeit und Ausdauer gleichermaßen fordert.
Auch klassische Yachten sind wieder Teil des Programms. Für Schiffe älterer Baujahre wird eine eigene Wertung ausgeschrieben, die an die traditionsreiche Geschichte der NORDSEEWOCHE erinnert.
Das boot Düsseldorf Race Village – Treffpunkt für alle
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Treffpunkt Race Village
Neben dem sportlichen Geschehen bildet das boot Düsseldorf Race Village im Helgoländer Hafen den sozialen Mittelpunkt der Veranstaltung. Hier treffen sich Segler, Teams und Besucher zum Austausch, zu Wetterbriefings und zu den täglichen Steuerleutebesprechungen. Ergänzt wird das Angebot durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Preisverleihungen und Regattapartys, die seit jeher zum festen Bestandteil der NORDSEEWOCHE gehören.
Organisation und Rahmenbedingungen
Die Regatten werden nach den internationalen Wettfahrtregeln von World Sailing ausgetragen. Je nach Wettfahrt gelten unterschiedliche Sicherheitsanforderungen, insbesondere für die Offshore-Langstrecke, bei der strengere Ausrüstungsvorschriften greifen. Moderne Kommunikation, inklusive UKW-Funk und – bei der Langstrecke – verpflichtendem AIS, sorgt für Sicherheit und Transparenz auf See.
Nachruf
Albert Schweizer
Wettfahrtleiter der NORDSEEWOCHE
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Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer nimmt das Team der NORDSEEWOCHE Abschied von Albert Schweizer, der als Wettfahrtleiter Deutschlands größte Hochseeregatta geprägt und begleitet hat.
Albert Schweizer war seit 1976 Segler bei der NORDSEEWOCHE und seit 2017 als Wettfahrtleiter dabei und er war weit mehr als ein Wettfahrtleiter. Er war eine prägende Persönlichkeit des deutschen Segelsports, ein verlässlicher Taktgeber auf See und an Land, und für viele ein Mentor, dessen Erfahrung und ruhige Autorität gleichermaßen geschätzt wurden. Zu den von ihm geförderten Talenten zählt auch Boris Herrmann, der sich dankbar an die Unterstützung erinnert: Schweizer sei ein wichtiger Impulsgeber seiner frühen Karriere gewesen.
Auch abseits des Wassers brachte sich Albert ein, etwa über viele Jahre im Ausschuss Seesegeln des Deutschen Segler-Verbands. Dort wurde er als sachkundig, ausgewogen und stets konstruktiv geschätzt.
2017 übernahm Albert die Position des Wettfahrtleiters der NORDSEEWOCHE. In enger Zusammenarbeit mit Organisationsleiter Marcus Boehlich prägte er die Veranstaltung über mehrere Jahre hinweg. Sein Führungsstil galt als teamorientiert, verbindlich und von großer Erfahrung getragen.
Die NORDSEEWOCHE ist ein Ort der Begegnung, Fairness und Gemeinschaft: Albert verstand es, höchste sportliche Ansprüche mit Menschlichkeit zu verbinden – eine seltene und wertvolle Kombination.
Wer mit ihm zusammenarbeitete, erinnert sich an seine Besonnenheit auch in schwierigen Situationen, an seine klare Kommunikation und an seinen trockenen Humor, der selbst bei rauer See für Zuversicht sorgte. Seine Entscheidungen waren stets von Verantwortungsbewusstsein und Integrität geprägt.
Mit Albert Schweizer verliert die Segelgemeinschaft nicht nur einen herausragenden Wettfahrtleiter, sondern auch einen geschätzten Freund und Weggefährten. Sein Wirken wird noch sehr lange in Erinnerung bleiben.
Das Team der NORDSEEWOCHE wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Uwe Wenzel übernimmt Wettfahrtleitung der NORDSEEWOCHE
Mit Uwe Wenzel gewinnt die NORDSEEWOCHE zur kommenden Ausgabe einen der erfahrensten Wettfahrtleiter im deutschen Segelsport. Der Bremer bringt jahrzehntelange Erfahrung in Organisation, Regattaleitung und Verbandsarbeit mit und steht wie kaum ein anderer für Kontinuität und Kompetenz auf dem Wasser.
Seine seglerische Laufbahn begann bereits Ende der 1970er-Jahre im Piraten – zunächst mit selbst ausgebauten Booten und ersten Ranglistenregatten. Früh sammelte Wenzel auch sportliche Erfolge, darunter eine Bremer Landesmeisterschaft sowie Titel im Hochschulsport. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte er sich zu einem vielseitigen Regattasegler mit Teilnahmen an Deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften sowie mehreren Podiumsplatzierungen auf internationaler Ebene.
Parallel zum aktiven Segeln verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf die Organisation und Leitung von Regatten. Bereits seit 1983 war Wenzel im Organisationsteam der Weser-Herbst-Regatta tätig, ehe er dort von 1999 bis 2012 als Wettfahrtleiter Verantwortung übernahm. Weitere prägende Stationen folgten bei großen Veranstaltungen wie der Warnemünder Woche und der Travemünder Woche, wo er über viele Jahre hinweg Seeregatten und One-Design-Klassen betreute.
Seine Erfahrung reicht von nationalen Meisterschaften bis hin zu internationalen Titelkämpfen. So leitete er unter anderem Deutsche, Europa- und Weltmeisterschaften und war zuletzt auch bei der IDM Inshore 2024 in Flensburg im Einsatz. Mit der NORDSEEWOCHE 2026 übernimmt er nun eine der traditionsreichsten Regatten Deutschlands, an der er auch vielfach selbst teilgenommen hat.
Neben seiner Tätigkeit auf dem Wasser ist Wenzel seit Jahrzehnten in verschiedenen Funktionen im Segelsport engagiert. Er war unter anderem Wettsegelobmann im Fachverband Segeln Bremen und bekleidet Führungspositionen im Vereins- und Verbandssport – bis hin zum Präsidium des Landessportbundes Bremen.
Mit dieser Kombination aus praktischer Regattaerfahrung, organisatorischem Know-how und langjährigem Engagement im Segelsport bringt Uwe Wenzel beste Voraussetzungen mit, um die NORDSEEWOCHE sportlich wie organisatorisch auf höchstem Niveau zu begleiten.